Nun kommt er also zurück, Roger Köppel, der Kämpfer wider jeglichen
Idealismus, der Feind des Moderaten und Katalysator des politischen
Konservatismus. Dieser Jean Ziegler der Rechten im Kampf gegen den
Mainstream. Der sich traut, die Niederlage von Berlusconi zu bedauern und
sich wundert, weshalb man den Experten im Pentagon nicht eher vertraut als
Intellektuellen bei der Einschätzung der Lage im Irak.

Vielleicht wars etwas gemütlicher, die letzten zwei Jahre, als seine
Weltwoche ein Strohwittwendasein fristete und uns die Redaktion mit
Warnungen vor Doris Leuthard vor der Verderbnis des Pragmatismus bewahren
wollte. Aber es hat auch sein Gutes, wenn der streitbare Köppel zu seiner
Brut zurückkehrt und die Schweiz mit seinen - sagen wir - unorthodoxen
Betrachtungen befruchtet. Denn bei ihm weiss man einfach, woran man ist. Der
Glaube an die natürliche Selbstregulierung und die entsprechende Skepsis
gegenüber menschlicher Intervention ist der Kern seines Weltbildes. Kaum
jemand vertritt diesen Konservatismus so eloquent wie er.

Dass er sich schwer getan hat in einem Land, in dem Konsens herrscht über
den Grundsatz, dass man den Menschen ihr Einkommen nicht an den Zähnen
ansehen darf und deshalb die Zahn- zur Grundversicherung gehört, versteht
sich von selbst. Da steht ihm die Schweiz mit seinem kannibalösen
Steuerwettbewerb doch näher.

Es wird also bestimmt spannend im hiesigen medialen Argumentationsgefecht –
- und auch beim Aboservice der Weltwoche: Irgendwann werden auch die letzten
Linksliberalen ihr Abo kündigen, die ihre Hoffnung auf eine Rückkehr zum
früheren Kurs nun endgültig begraben dürfen.