Aidriaaaaan !!!! kommt nach Zürich

Silvester „Ruckzuck-ist-die-Lippe-dick“ Stallone kommt nach Zürich, und man hört sie bereits, die leicht irritierten Filmstudenten, die jetzt plötzlich irgendwie finden, dass er ja schon etwas aufm Kasten hatte, der Stallone. Auf seine Art eben.

Dabei hatte die Karriere von Stallone doch irgendwie arg Schlagseite. Die Rocky-Rollen verurteilten ihn zum Underdog, und davon kam er nie weg. Und das nicht, weil er nicht gewollt hätte. Nach einigen Actionreissern, die zwar gut für die Kasse, aber verheerend fürs Prestige waren, versuchte er sich im Komödiantischen.  „Stop, or my mom will shoot“ hiess das damals, und war ja irgendwie peinlich. Dann kam sein „Schindler’s list“ in Form von „Copland“. Mit dickem Ranzen schleppte er sich durch New Jersey, und das war’s dann auch, was davon in Erinnerung blieb.

Dazwischen malte er etwas, und arbeitete an den Sequels zu Rocky und Rambo. Mit Verlaub: er ist zwar kein zweiter Steven Seagal, aber die Chance auf das Prädikat „Unterschätzt“ hat er doch irgendwann verspielt.

Wenn er nun am Zürich Film Festival den „Golden Icon Award“ überreicht bekommt, mag das ein toller Marketing Gag sein für Zürich. Aber zu glauben, Locarno hätte das nicht hingekriegt, ist dann doch etwas albern. Damit der „Golden Icon Award“ nächstes Jahr nicht versehentlich an Ursula Andress verliehen wird, sollten sich das OK vielleicht an diese goldene Regel halten: Alles, was in Hollywood irgendwann zu Ruhm und Ehre kam, durfte einmal in einem Woody Allen Film mittun. Stallone hingegen, der durfte nur seine Stimme leihen, einer muskelbepackten Ameise nämlich, im Animationsfilm Antz. Und das war kein Zufall. 

Rambo-Nachvertonung auf youtube: http://www.youtube.com/watch?v=dwh_kLzPKxc

 

Paul Haggis’ konsequenter Beitrag zum Krieg

Während George W. Bushs Krieg ins sechste Jahr geht, zeitigt die cinematographische Aufarbeitung wertvolle und verstörende Perspektiven. Paul Haggis’ „In the Valley of Elah“ setzt sich mit den Versehrungen auseinander, die der Krieg in den zurückgekehrten Soldaten hinterlässt, und er ist deshalb weit mehr als ein Film zum Thema Irak. Sein Film ist ein entwaffnender Kommentar zum Krieg im Allgemeinen, zum monströsen Schaden, den er in den Menschen anrichtet.

Es ist die Geschichte eines Mannes, dem die Möglichkeit abhanden kommt, den Verlust seines zweiten Sohnes als Opfer eines in irgendeiner Weise notwendigen Kampfes zu begreifen. Dieser Trost bleibt ihm verwehrt, da sein Sohn nicht Opfer eines Täters nach den Regeln des Krieges wird. Denn die Wahrhaftigkeit dieser Geschichte birgt in sich die Weisheit, nach der es im Krieg nur Verlierer gibt. Der verlorene Sohn wird denn auch Opfer anderer Opfer, anderer Verlierer des Krieges. Es sind dies seine Freunde, die ihn im Streit ermorden; einem Streit, der so willkürlich und zufällig sein Opfer fordert wie die meisten Opfer in den meisten Kriegen gefordert werden.

Haggis’ Film ist auch eine bittere Würdigung für die Überlebenden eines Krieges. Das Skandalon, das ein vermeidbarer und trotzdem geführter Krieg darstellt, ist in diesem Drama implizit enthalten; es bedarf keines zusätzlichen Kommentars. Auch das macht diesen Film zu einem konsequenten, unerbittlichen Beitrag.

Viele Gründe, liberal zu sein

Rechtzeitig zur heissen Phase des Wahlkampfes publiziert Fulvio Pelli „37 Gründe, liberal zu sein“, eine vielfältige Sammlung liberaler Begrifflichkeiten. Das Seilziehen um die Deutungshoheit geht damit in eine weitere Runde, denn kaum ein Begriff der Ideengeschichte wird dermassen widersprüchlich verwendet. Vom „klassischen Liberalismus“ bis zum „political liberalism“. Entsprechend weit auseinander liegen die Felder „wirtschaftliche Liberalisierung“ und „gesellschaftliche Liberalisierung“ im Spinnenprofil von Sotomo. Und entsprechend unterschiedlich wird der Begriff in verschiedenen Weltgegenden verwendet.

In der anglophonen Welt wird „Liberalism“ beinahe ausschliesslich in seiner gesellschaftlichen Ausprägung verstanden, als Gegenpol zu einem philosophischen Konservatismus. Die weltanschauliche Konsistenz dieser Definition mag für Zentraleuropäer etwas irritierend sein – insbesondere wenn man unter „liberal“ in erster Linie die Abstinenz von Regeln versteht.

Sucht man jedoch nach einem ideengeschichtlichen roten Faden, so entdeckt man bald die Logik hinter der dualen Unterteilung in „Conservatives“ und „Liberals“. Es geht um das Misstrauen gegenüber einem weltlichen Idealismus, bzw. das Vertrauen in ihn.

Mit diesem Thema beschäftigt sich weltanschauung.ch, die in neuer Aufmachung daherkommt. Die Linksammlung führt zu kürzeren und längeren Tests, die einem Aufschluss über die eigene weltanschauliche Position geben. Rechtzeitig zur heissen Phase des Wahlkampfes.