Das abrupte Ende einer Ideologie

Erstaunliches spielt sich ab in dieser Zeit ökonomischer Rückbesinnung. Hätte man vor 12 Monaten eine Umfrage gemacht darüber, ob sich der Staat idealerweise aus der Privatwirtschaft raushalten soll, hätten wahrscheinlich über 70 % zugestimmt. Hätte man sie gefragt, weshalb das so ist, hätte ein Teil mit der Schulter gezuckt, ein grosser Teil jedoch hätte geantwortet: Weil der Staat den Markt nur negativ beeinflusst.

In dieser Antwort  liegt eine Gewissheit, die in den letzten Monaten ziemlich unter die Räder gekommen ist. Nicht einmal die miserabelste Staatsintervention würde  ein solches Desaster anrichten können, wie es unregulierte Märkte nun hinbekommen haben.

Das weit verbreitete Credo, dass der Staat in wirtschaftspolitischer Hinsicht dann die beste Rolle einnimmt, wenn er durch Abwesenheit glänzt, ist das Resultat einer äusserst erfolgreich verbreiteten Ideologie, die es geschafft hat, eine Theorie als die Wahrheit zu verkaufen.

Nicht überall ist diese Denkschule so erfolgreich gewesen: In Frankreich beispielsweise war es immer Common Sense, dass sich die Allgemeinheit in Form  des Staates am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt. Natürlich kann man anführen, dass Frankreich jede Menge Probleme hat in wirtschaftlicher Hinsicht; schaut man sich aber das Wachstum seines BIP der letzten 15 Jahre an, und legt die Kurve über jene der Schweiz und anderer Staaten, scheint unser westlicher Nachbar nicht im geringsten abzufallen mit seiner Staatsquote von über 50 %.


 

In der neuen Riege im Weissen Haus findet man lauter Cracks, die nie der neoliberalen Denkschule angehört haben, und deren Sachverstand ausser Zweifel steht. Die Rückkehr zu wirtschaftlichem Pragmatismus ist - bei allem Katzenjammer – der grosse Trost des Jahres 2008.

Nur Christoph darf.

Was für ein Trauerspiel! Da ist die Volkspartei so nahe an der Rückkehr in die Landesregierung, mit einer todsicheren Vorlage durch ihren ehemaligen Vertreter und kaum jemandem, der ihren Anspruch auf wenigstens einen echten Sitz in Zweifel ziehen würde. Doch da kommt der Übervater, tut seine Unlust auf eine erneute Kandidatur kund, und Zack! ist's wieder geschehen um die Vernunft der SVP. Als ob sie nicht wüsste, dass es doch allein schon ihre Zwängerei mit einer Einerkandidatur der Bundesversammlung verunmöglichen würde, für Blocher zu stimmen. Ich weiss ja nicht, wie das in der SVP ausschaut, aber ausserhalb lassen sich die Volksvertreter sicher nicht als Hanswürste hinstellen, in dem sie einfach kuschen und den Befehl zur Wahl brav abnicken.

Es ist, als ob Blochers Credo („Ich will nicht, ergo muss ich“) auf unheimliche Weise auf die Partei übertragen hat: Sie will wieder in den Bundesrat, also verweigert sie sich der Wahltauglichkeit. Dafür müssen nun alle SVP Schwergewichte auf die Zähne beissen und wie in einer Sekte dem Guru den Vortritt lassen. Es ist erbärmlich.

Endlich

Endlich ist es soweit: die USA haben ihren Präsidenten gewählt. Damit endet auch ein Wahlkrampf, an dem die restliche Welt als Zaungast beiwohnen durfte; eine Rolle, die auf Dauer aus psychohygienischer Sicht nicht unproblematisch ist: Wer kann schon behaupten, dass es ihn oder sie mit Stolz erfüllt, ständig über Kandidaten auf dem Laufenden gehalten zu werden, die gar nicht in unseren Breiten politisieren werden? Sich ständig in Diskussionen wiederzufinden über ein Land, das uns mit seiner Dominanz seit mindestens acht Jahren auf den Wecker geht? Und jeden morgen auf allen Kanälen und an erster Stelle die neuesten Umfragen aufgedrängt bekommen, bevor dann der Fokus auf Themen minderer, sprich nationaler Bedeutung gelegt wird?

Der Enthusiasmus der Medien für den US-Wahlkampf ist leicht verständlich, gibt er doch jede Menge saftiger Geschichten her, aus denen zum Schluss so etwas wie die mächtigste Politikfigur hervorgeht. Eine äusserst rationale Kalkulation, die für die meisten Mediennutzern nachvollziehbar ist. Durch die geradezu hysterische Berichterstattung wird sie jedoch arg strapaziert. Vor allem im Radio: Oder wen nerven sie nicht, die penetrant pathetischen O-Ton Einspielungen? Dann schreiben Sie unten Ihren Kommentar. Sehen Sie? Da steht nichts. Es gibt niemanden, der nicht darauf verzichten möchte.

Antiamerikanismus ist ein komplexes Syndrom, das primär von irrationalen Impulsen und subjektiven Wahrnehmungen genährt wird. Der mediale Overkill diesen Herbst war diesem leider nicht abträglich. Wenigstens ist es der neue Präsident.