Making America Stupid
Auch in diesem US-Wahljahr wird der Welt allerhand zugemutet. Ungeachtet der stimmrechtlichen Ohnmacht wird hierzulande munter über jedes Etappchen berichtet, das die Präsidentschaftskandidaten hinter sich lassen, und bange fragt man sich, ob es die Amis erneut schaffen, die Hoffnung der Demokratie in ihr Gegenteil zu verkehren.
Wie war das noch vor vier Jahren, als sich John Kerry zum Dienst meldete? Ein ganzer Kerl, der mit Heldengeschichte und Surfgeschick in den Ring stieg, das Gegenteil eines Waschlappens, gestärkt durch Sachverstand und Erfahrung und bereit, den irrlichternden Tunichtgut im Weissen Haus abzulösen. Drei Debatten bestritten sie. Er gewann alle drei – trotz des verkabelten Präsidenten. But they picked the wrong guy after all.
Doch dieses Mal darf George W. nicht mehr. Das ist schön, denn wenn wer dürfte, würde er bestimmt nochmals den Sieg einfahren. Nein, diesmal darf jener antreten, den er vor 8 Jahren aus dem Rennen geworfen hatte. Quasi die zweite Wahl von damals. Ist das nicht verrückt? Da bejahen 80 erschlagende Prozent der Amerikaner die Aussage, dass sich das Land in die falsche Richtung bewegt, und die Republikaner portieren just jenen Kandidaten, der schon vor 8 Jahren nicht gut genug war? Ein Treppenwitz der Geschichte, könnte man meinen. Doch da kommt Obama ins Spiel.
Die Demokraten treten dieses Jahr mit einem absoluten Ausnahmetalent an – das meinen sogar ihre Gegner. Ein kluger Kopf, mit Charme und Coolness, und vor allem einer, der die Leute nicht für dumm verkauft. Vielleicht ist gerade das sein Manko. Denn während er sich lange dagegen verwahrte, den übelsten Dreck nach dem Gegner zu schmeissen, greift McCain ohne Zögern in die stinkende Pandora der Suggestion. Der Horror über diesen Wahlkampf wird nur noch von jenem übertroffen, den der Blick auf die Umfragen auslöst.
Als vor vier Jahren George W. wiedergewählt wurde, fragte die New York Times etwas pathetisch, ob dies das Ende der Aufklärung sei. Nun, diese Frage wird sich wohl dieses Jahr beantworten. Zur Wahl stehen ein heller Kopf, der - von einem altgedienten Aussenpolitiker flankiert - wie die Inkarnation der Vernunft daherkommt. Und ein ebenfalls altgedienter Senior, der gerne Sachen sagt wie „bomb bomb Iran“ oder „drill drill drill for oil“, flankiert von einer grobschlächtigen Frau Mahlzahn, die punkto Amtsanmassung selbst Berlusconi das fürchten lehrt.
Zum Thema: Thomas L. Friedman, Making America stupid
http://www.nytimes.com/2008/09/14/opinion/14friedman.html?_r=1&em&oref=slogin



