Berlusconi - dritter Akt
Heute ist ein trauriger Tag. Habens den Kasperl doch tatsächlich wieder gewählt, die Italiener. Nach all dem, was war. Manche meinen, Beppe Grillos Aufruf zum Wahlboykott wäre daran schuld gewesen; andere, die Leute hätten einfach das kleinere Übel gewählt. Und dann war da ja noch der Müll.
Doch wie auch immer: die erneute Wahl dieses egomanischen Schurken repräsentiert eine Demokratie, die soeben mächtig Schiffbruch erlitten hat. Denn wie bei jedem Populisten gilt auch bei Berlusconi: Wer ihn wählt, tut es entweder aus Zynismus oder Dummheit. Aus Zynismus, weil er die Phrasen durchschaut, und sie ihm durchgehen lässt. Aus Dummheit, weil er ihm die Wahrheitsklitterung abkauft.
Solange der politische Unernst nur eine Minderheit für sich gewinnt, kann man darüber hinwegsehen und auf bessere Zeiten hoffen. Was sich derzeit hingegen in unserem südlichen Nachbarland abspielt, gehört eher in die unheimliche Kategorie. Vier Jahre nach der schockierenden Wiederwahl von George W. wandert nun der Pokal für den grössten politischen Unfug wieder nach Europa.
Man sagt, ein Volk hätte immer diejenige Regierung, die es verdient. Man kann dieses Bonmot der Fairness halber auf demokratische Rechtsstaaten einschränken. Mehr liegt allerdings nicht drin.



