Erst die Ideologie, dann die Moral
„Deutschland macht Jagd auf ihre tüchtigsten Bürger“ titelte die Weltwoche sinngemäss, und offenbarte damit ihre monströsen ideologischen Scheuklappen wie auch den Subtext, den der Liechtensteiner Steuerskandal begleitet. Denn nichts anderes als Ideologie ist verantwortlich dafür, dass aus dem Versuch, demokratisch legitimierte Steuergesetze zu umgehen, ein Quasiprivileg der finanziell Erfolgreichen konstruiert wird. Steuergesetze beruhen nun mal auf einem gesellschaftlichen Konsens – sonst wären sie gar nie verabschiedet worden. Das macht sie nicht populär, aber verbindlich für alle. Auch für die „Tüchtigen“.
Leute wie Franz Konz, den Autor des Dauerbestsellers „1000 ganz legale Steuertricks“, sind für diese Argumentation freilich nicht zugänglich. Sein Beitrag bei Sandra Maischberger letzten Dienstag bestand denn auch aus wenig mehr als aus der Demonstrationen seines libertären Credos, dass jeder hinterzogene Steuerfranken ein vor den gierigen Händen des Staates bewahrter ist. Damit lässt sich natürlich kein Staat machen.
Die Parteinahme für die Steuerhinterzieher wird auch nicht verständlicher durch den Versuch, die Methoden der deutschen Steuerbehörden zu thematisieren. Ein mutwilliger Gesetzesbruch wird nicht durch dessen Aufdeckung relativiert. Höchstens in der Weltwoche.



