An der Stilfrage gescheitert
Laut einer Umfrage von Isopublic stehen 60 % der Schweizerinnen und Schweizer hinter seiner Ablösung, und nur 27 % bedauern sie. Das ist aus mindestens drei Gründen bemerkenswert: Erstens traf es einen Bundesrat, dem die breite Öffentlichkeit wohl trotz aller Antipathie einen gewissen Leistungsausweis zuerkannt hat. Niemand würde behaupten, Christoph Blocher sei als Minister am Amt gescheitert. GPK-Bericht hin oder her.
Zweitens hat seine Abwahl den Makel der politischen Abrechnung. Seine Nachfolgerin hat sich nicht nach einer Kampfkandidatur durchgesetzt, sondern dank der koordinierten Unterstützung ihrer eigentlichen politischen Gegner. Man kann es drehen und wenden wie man will, ein gewisses Gschmäckle bleibt an dieser Wahl hängen.
Und drittens erstaunt die hohe Akzeptanz dieses parlamentarischen Zylindertricks deshalb, weil mit Frau Widmer-Schlumpf einer national unbekannten Politikerin offenbar mehr Vertrauen entgegengebracht wird als der personifizierten SVP, Christoph Blocher himself. Als ob sich die Bevölkerung sagen würde: Egal wen, nur nicht ihn.
Wer letzten Mittwoch auf TeleZüri Markus Gillis Interview mit Christoph Blocher anschaute, dem wurde einmal mehr bewusst, wie seltsam sperrig er ist, und wie gross die Kluft zwischen der Welt des Journalisten und ihm. Seine entrückte Schuld-und-Pflicht-Rhetorik steht anachronistisch in unserer Welt der Selbstverwirklichung. Sie zeugt von einem Habitus, der anders tickt als der Mainstream. Und das sind mindestens 60 %.



