05. November 2007
Dies ist der Herbst der Rücktritte. Ueli Maurer, Hans-Jürg Fehr, Ruth Genner, und – wenn es nach der NZZ am Sonntag geht – auch der Zürcher SVP-Präsident Hansjörg Frei werden in nächster Zeit von ihren Ämtern zurücktreten, und sie werden begleitet von einer illustren Schar an Top-Bankern und einer Waschmaschinen verkaufenden Tennisspielerin. Natürlich ist der Einfluss unserer Polit-Elefanten auf die Weltelite nicht ganz so stark; diesen Eindruck werden sie sich auch in den entrückendsten Augenblicken der Abschiedsfeierlichkeiten verkneifen. Trotzdem sollte man niemals die Kraft des Charismas unterschätzen, die für politische Karrieren die halbe Miete ist. Und für den Erfolg der Partei genauso.
Wann war die SP letztmals so richtig im Schuss? Unter Peter Bodenmann, der jeweils die Arena erzittern liess. Wann war die FDP noch die Partei des souveränen Bürgertums? Unter Franz Steinegger. Und hatte die SVP in der Zeit vor Ueli Maurer überhaupt viel zu melden? Gut, aber nur wegen Christoph Blocher, der neben Hans Uhlmann leichtes Spiel hatte. Und wäre Doris Leuthard nicht gewesen, würde sich heute die CVP um die Fraktionsmitgliedschaft bei den Grünliberalen bemühen, und nicht umgekehrt.
Kurz: Nichts geht über das Charisma, wenn es um das Amt des obersten Parteirepräsentanten geht. Charisma und Eloquenz. Die SVP, die ja seit kurzem die Jungmannschaft erobert, würde mit Toni Brunner sicher nicht schlecht fahren. Der SP würde Anita Fetz gut tun, auch in Hinblick auf die leidige Richtungsdiskussion. Oder Elmar Ledergerber, ein echter Kracher für die Elefantenrunden.
Die Grünen würden mit Daniel Vischer massiv an Gravitas gewinnen. Die FDP könnte ihre Richtungsprobleme entweder mit Filippo Leutenegger oder Dick Marty ad acta legen. Wer nach Christophe Darbellay kommt, das weiss vielleicht Markus Arnold. Und wer die Abstimmungsarena über den Klimaschutz gesehen hat, der weiss, dass die Günliberalen bei Martin Bäumle in guten Händen sind.
Diese Wunschliste ist nun arg Zürich-lastig und fern der politischen Realität. Aber attraktive Köpfe an der Parteispitze bringen Wähler an die Urne und Zuschauer zum Fernsehen. Und das ist gut für die Politik.