Zürcher Weihnachtsbeleuchtung - reloaded

Manchen kann es offenbar gar nicht schnell genug gehen mit der Rückkehr zur warmen Weihnachtsbeleuchtung der Zürcher Bahnhofstrasse: Das Märlitram der VBZ wirbt mit einem wunderbar behaglichen Plakat, auf dem die Leuchtstäbe verdächtig harmonisch das Kerzenlicht imitieren.

 

Da haben wohl die Grafiker der VBZ etwas nachgeholfen - bestimmt mit dem Gedanken, sie wollten das Märlitram ja bewerben und nicht das Gegenteil bewirken.

Würde die Beleuchtung tatsächlich so aussehen wie auf diesem Bild, wäre die Diskussion der letzten drei Jahre ganz anders verlaufen. Und die Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse müsste sich nicht schon wieder nach einem neuen Lichterschmuck umsehen. Dieser wird vielleicht schon nächstes Jahr die Prachtmeile zieren und der VBZ den Einsatz von Grafikfiltern ersparen. In Erinnerung bleibt eine Kunstdebatte, die durch ihre Eigendynamik geadelt wurde. Und das Plakat fürs Märlitram setzt ihr die Krone auf.

 

Zum Thema: "Die Mutter aller Weihnachtsbeleuchtungen" 

Ein Sieg der bürgerlichen Mitte-Linken

Das war nun wohl das Wochenende des grossen Pragmatismus: Alle gegen Ueli Maurer und Toni Brunner. Und es hat geklappt. Aber wirklich nur, weil alle zusammen solidarisch waren. Ausser die 5600 Galladé-Verrückten, die sich sagten: Soll die sich doch zurückziehen, dann wähl ich sie erst recht.

Abgesehen davon kann man sagen: die Solidarität unter den Nicht-SVP-Wählern hat gespielt. Wenn dieser Satz nur nicht so nach Minderheitenjargon klingen würde. Das hat ein Bisschen was Gespenstisches.

Überhaupt meint man hinter diesem bürgerlichen Mitte-Links Sieg dieses Wochenendes ein leeres Schlucken herauszuhören. Ich weiss ja nicht wie’s Ihnen geht, aber wenn sich die St. Galler Linke geballt hinter FDP und CVP stellt, dann krieg ich `ne pelzige Zunge. Und dass sich das Erste-Mai-Komitee mit Frau Diener zufrieden gibt, ist auch nur ein schwacher Trost.

Aber eben: Lieber pragmatisch siegen als ideologisch verlieren. Solange es kein Pyrrhussieg ist.    

Charisma braucht das Land

Dies ist der Herbst der Rücktritte. Ueli Maurer, Hans-Jürg Fehr, Ruth Genner, und – wenn es nach der NZZ am Sonntag geht – auch der Zürcher SVP-Präsident Hansjörg Frei werden in nächster Zeit von ihren Ämtern zurücktreten, und sie werden begleitet von einer illustren Schar an Top-Bankern und einer Waschmaschinen verkaufenden Tennisspielerin. Natürlich ist der Einfluss unserer Polit-Elefanten auf die Weltelite nicht ganz so stark; diesen Eindruck werden sie sich auch in den entrückendsten Augenblicken der Abschiedsfeierlichkeiten verkneifen. Trotzdem sollte man niemals die Kraft des Charismas unterschätzen, die für politische Karrieren die halbe Miete ist. Und für den Erfolg der Partei genauso.

Wann war die SP letztmals so richtig im Schuss? Unter Peter Bodenmann, der jeweils die Arena erzittern liess. Wann war die FDP noch die Partei des souveränen Bürgertums? Unter Franz Steinegger. Und hatte die SVP in der Zeit vor Ueli Maurer überhaupt viel zu melden? Gut, aber nur wegen Christoph Blocher, der neben Hans Uhlmann leichtes Spiel hatte. Und wäre Doris Leuthard nicht gewesen, würde sich heute die CVP um die Fraktionsmitgliedschaft bei den Grünliberalen bemühen, und nicht umgekehrt.

Kurz: Nichts geht über das Charisma, wenn es um das Amt des obersten Parteirepräsentanten geht. Charisma und Eloquenz. Die SVP, die ja seit kurzem die Jungmannschaft erobert, würde mit Toni Brunner sicher nicht schlecht fahren. Der SP würde Anita Fetz gut tun, auch in Hinblick auf die leidige Richtungsdiskussion. Oder Elmar Ledergerber, ein echter Kracher für die Elefantenrunden.

Die Grünen würden mit Daniel Vischer massiv an Gravitas gewinnen. Die FDP könnte ihre Richtungsprobleme entweder mit Filippo Leutenegger oder Dick Marty ad acta legen. Wer nach Christophe Darbellay kommt, das weiss vielleicht Markus Arnold. Und wer die Abstimmungsarena über den Klimaschutz gesehen hat, der weiss, dass die Günliberalen bei Martin Bäumle in guten Händen sind.

Diese Wunschliste ist nun arg Zürich-lastig und fern der politischen Realität. Aber attraktive Köpfe an der Parteispitze bringen Wähler an die Urne und Zuschauer zum Fernsehen. Und das ist gut für die Politik.