Was die FDP von New Labour lernen sollte

Scheint ganz so, als müssten die britischen Tories eine weitere Runde auf der Oppositionsbank einlegen. Unerwartet schnell hat New Labour den Blair-Kater weggesteckt und mit kühnem Agenda-setting zu neuen Höhenflügen unter Gordon Brown abgehoben. Schwere Zeiten für David Cameron, den nicht mehr ganz so hoffnungsvollen Hoffnungsträger der Tories.

Was sich diesen Sommer in Grossbritannien abgespielt hat – die Auferstehung einer ausgezehrten Regierungspartei unter einem altbekannten Urgestein – ist ein Glanzstück in politischer Unabsehbarkeit. Wer hätte diesen Frühling auch nur einen Penny auf Tonys abgehalfterte Skandaltruppe gewettet? Und jetzt, sechs Monate später, liegen sie in Umfragen wieder satte 8 Punkte vor den Conservatives. How come?

Abgesehen davon, dass die britische Regierung offenbar schlicht vieles richtig macht, gibt es eine Konstante in der Erfolgsgeschichte von New Labour: Es ist die Besetzung der Mitte. Oder die Themenführerschaft über das, was die breite Wählerschaft bewegt.

Heisse Kartoffeln, die für Linke früher ein Tabu darstellten, werden offensiv thematisiert. Law&Order-Themen und andere Domänen der Konservativen konnten so ihrer Deutungshoheit entzogen werden. Zur Besetzung der Mitte ist das unverzichtbar. Das hat sich wohl auch Chantal Galladé gedacht, als sie in ihr Zwölf-Punkte-Programm gegen Jugendgewalt auch repressive Elemente einstreute.

Doch die Schweizer Sozialdemokraten sind noch weit davon entfernt, offensiv die Mitte zu besetzen. Und das, obwohl es ihnen die FDP eigentlich ziemlich leicht machen würde mit ihrem weiterhin nur als Lippenbekenntnis wahrgenommenen Kampf um die „urbane Wählerschaft“. Anstatt sich an jenem 15%-Terrain festzuklammern, das ihr die SVP noch lässt, sollte sich die FDP sagen: Von New Labour lernen heisst gewinnen lernen. Und anstatt das Verbandsbeschwerderecht die Entmischung der Quartiere bekämpfen. Durch Steuerrabatte erneuerbare Energien fördern. Sich um die Lehrpläne der Koranschulen kümmern. Und ein Elf-Punkte-Programm gegen Jugendgewalt vorlegen. Bevor das die CVP tut.

Gratis-Qualitätszeitungen

Neue Gratiszeitungen füttern die Deutschschweiz mit Lesestoff für Wartezeiten und geben wieder mal Anlass zur Diskussion, wie die Zukunft der Abonnementszeitung wohl aussehen wird. Woher das Geld nehmen für die teuren Recherchen, wenn es via Werbung dorthin fliesst, wo es keine braucht? Manche US-Zeitungen haben sich dafür entschieden, die Auflage durch lächerlich geringe Abopreise zu retten. Dadurch behalten sie wenigstens die Anzeigen. Die USA Today zum Beispiel gibt’s schon für 60 cents. Inklusive Zustellung und Benefits.

Vielleicht ist das die Antwort in Zeiten des unentgeltlichen Informationsflusses. All jene Zeitungsleser, die nur deshalb ein Abo behielten, weil sie einfach informiert sein wollten, sind heute nicht mehr darauf angewiesen. Dafür sorgen Internet und Gratiszeitungen.

Also bleiben nur jene Leser, die sich aus anderen Gründen eine Zeitung zustellen lassen. Zum Beispiel aus Interesse an gut erzählten Reportagen, die unseren Alltag bereichern. Oder aus Freude an unterhaltenden Kolumnen und stilistischer Originalität. Oder aus dem Bedürfnis, sich mit dem Kulturgut Zeitung ein Stück der Welt erschliessen zu können. Und sei es nur am Sonntagmorgen.

Selbstverständlich würden diese Zeitungsaficionados auch etwas mehr bezahlen für das Ticket, das sie vor dem Provinzialismus bewahrt. Aber es sind schlicht zu wenige, als dass sich die Qualitätsblätter nicht um die Gratiszeitungen zu scheren bräuchten. Und dann gibt es ja noch die Wochenzeitungen, die manchem genug an Hintergrundinformationen bieten und davor verschonen, am Freitag fünf ungelesene Tageszeitungen auf den Stapel Altpapier legen zu müssen.

Der Mehrwert, den eine Qualitätszeitung im Vergleich zu 20minuten und Co. darstellt, lässt sich in Zukunft wohl nicht mehr durch ihren Preis ausdrücken. Zu vielen Lesern ist dieser Mehrwert zu gering, als dass sie dafür bezahlen würden. Der Wettbewerb zwischen den Zeitungen wird deshalb vielleicht bald nur noch über den Inhalt geführt werden. Zum Vorteil für die Qualitätszeitungen.

Geheimplan gegen Eva Hermann

Nun ist sie also ihre Moderatorenjobs los, Eva Hermann, das Blonde Gift des deutschen Feminismus. Ihr Bedauern über die verlorenen Familienwerte der NS-Zeit, die durch die 68er zerstört wurden, waren der Peinlichkeit zu viel für die ARD. Sie darf sich künftig allein aufs Schreiben konzentrieren, und damit das fortsetzen, wovor sie ihre Artgenossinnen bewahren will.

Man fragt sich, ob sie das nicht hätte ahnen können. 60 Jahre nach der Stunde Null ist es immer noch ein Tabu, auch nur einzelne Aspekte des Dritten Reiches als nicht ausschliesslich negativ zu bewerten. Wer beispielsweise den berühmten Autobahnbau als gelungene Sache erwähnt, muss schon damit rechnen, weitergehenden Nazi-Sympathien verdächtigt zu werden. Woran ja oft auch was dran ist, denn wer hat sonst schon das Bedürfnis, so was ständig zu wiederholen.

Man fragt sich also, welche Naivität Eva Hermann geritten hat bei ihrem Hohelied auf das faschistische Familienidyll. Dachte sie tatsächlich, sie könne mal kurz in den braunen Fettnapf treten, einfach weil sie findet, das könne man also schon sagen? Ein Medienprofi wie sie? Kaum. Eher dachte sie, ein wohl kalkuliertes Skandälchen kann ihren Buchverkäufen nicht schaden.

Leider hat sie die Rechnung nicht mit dem Geheimplan ihrer vereinten Widersacher gemacht. Die warteten nur darauf, dass die Verkörperung des emanzipatorischen Backlashs in die Falle geht, und fortan als Persona non Grata durch den Medienzirkus geistert. Eine Verschwörung der Alt-Achtundsechziger, kein Zweifel.

 

Zum Thema: Michael Hanfeld in der FAZ: Vertreibung aus dem Paradies

 

Der kommunikative GAU der GPK

Wahlkämpfe werden immer an der Basis gewonnen. Auch in dieser jüngsten Episode des Wahljahres scheint dies die SVP am klarsten fokussieren zu können, bringt sie es doch fertig, den hochoffiziellen GPK-Bericht ins Zwielicht zu ziehen und bei der Bevölkerung den Misstrau-dem-Establishment-Knopf zu drücken. Eine bemerkenswerte Leistung.

Die SVP hat sofort erkannt, wie sie den drohenden Imageschaden für ihre Partei in politischen Auftrieb verwandeln kann. Zum einen waren da Bundesrat Blochers Kompetenzübertretungen (das eigentliche Resultat des Berichts), zum andern die obskuren Andeutungen und Vorverurteilungen in Sachen Roschacher-Komplott. Bläst man den zweiten Teil auf – und das ist genau was geschieht – verblasst der erste, und fällt zumindest für SVP-Sympathisanten bald einmal in die Kategorie der vieldiskutierten Stilfrage. Wer hat nicht schon einmal seine Kompetenzen überschritten? Dass es sich dabei im konkreten Fall um keine rechtsstaatlichen Kinkerlitzchen handelt, ist für die Mehrheit erst auf den zweiten Blick einleuchtend. Vorteil SVP.

So kommt es, dass niemand über die Tragbarkeit eines Justizministers debattiert, der es mit der Gewaltentrennung nicht so genau nimmt. Viel zu akademisch. Stattdessen verkommen die GPK-Erkenntnisse in den Augen der Bevölkerung zu einem umstrittenen Machwerk, das zu Verschwörungstheorien einlädt. Ein kommunikativer GAU sondergleichen.

Und ein PR-Triumph für die SVP, die drauf und dran ist, eine bedenkliche Rüge kurz vor den Wahlen unverfroren in einen Steilpass zu verwandeln. Es ist einmal mehr die Komplexität eines Sachverhalts, die an den Regeln raffinierten Politmarketings scheitert: Die Erklärungen von Meier-Schatz über den Rechtsweg, an den sich die GPK halten müsse, versus Mörgelis „politisch instrumentalisierten Bullshit“. Sie mag Recht haben; die Wählerstimmen aber hat er.