John Edwards' Geländewagen-Coup
War das nun eine besonders grausame Form politischen Suizids – oder der verzweifelte Versuch, mit Mut zum Unbequemen seine Kandidatur zu retten? John Edwards sagte diese Woche während einer Diskussion zur Energiepolitik, seiner Ansicht nach sollten die US-Bürger künftig auf ihre Sport Utility Vehicles verzichten – zu Gunsten des Klimas. Das war vor zwei Tagen. Sucht man jetzt bei Google nach „John Edwards“ und „hypocrisy“ (Heuchelei), bekommt man 454000 Hits. Hätte er das nicht ahnen können?
Vielleicht dachte er sich in der Hitze des Wahlkampfs: Genug der populären Forderungen, die Menschen wollen auch mal unbequemen Klartext hören, das steigert die Glaubwürdigkeit. Mag ja sein, doch niemand vergrault dem Amerikaner seinen Geländewagen. Schon gar nicht ein Politiker, der mit seinem eigenen Energieverbrauch im Glashaus sitzt.
Genau das ist es, was die US-Blogosphäre jetzt im roten Bereich rotieren lässt: Die Unverschämtheit eines umherjettenden Präsidentschaftskandidaten, an das schlechte Gewissen der tankenden Mehrheit zu appellieren. Selbst wenn es sachlich richtig ist: Ein Politiker sollte niemals Wasser predigen und Wein trinken.
Wichtiger als die politische Zukunft des John Edwards ist für uns vielleicht das Indiz, das mit dieser Episode des US-Wahlkampfs einhergeht: Die hohe Zeit der automobilen Wohnzimmer geht wohl bald zu Ende. Das ist tröstlich, denn selbst ein solarbetriebenes SUV wäre noch eine energetische Perversion.
Nichtsdestotrotz lanciert Citroen dieser Tage seinen vergleichsweise sparsamen C-Crosser. Leider nur in Europa. In den USA hätten Sie jetzt eine perfekte Headline: Don’t bother, John Edwards, we’ll take care of it.



