Sarkozy und die Linke
Gespannt blickt man nach Frankreich, jetzt, da Sarkozy seine Truppe beisammen hat, und es an Symbolik für den frischen Wind nicht mangelt. Ein Linker als Aussenminister, eine Justizministerin mit maghrebinischen Wurzeln, Bilder eines joggenden Präsidenten und eines Premiers, der einem Kabinett vorsteht, welches keine Quotenregelung ausgeglichener hätte berechnen können. Political Correctness in Reinkultur. Ségolène Royal hätte das nicht besser hingekriegt.
Neben der gelungenen Symbolik des Nicolas Sarkozy fällt einem als Nicht-Franzose vor allem eines auf: ein verhaltener Optimismus, eine - wenn auch skeptische - Aufbruchstimmung scheint die negativen Voten nach dieser Wahl zu übertönen. Und das in stärkerem Masse, als dies bei einem Sieg Royals zu erwarten gewesen wäre. Bis ins Linke Lager hinein lautet der Tenor: Sei’s drum, mal schauen was da kommt.
Einer der Gründe für die Zurückhaltung, die man nun unter Sarkozys weltanschaulichen Gegnern beobachten kann, liegt sicher in der Vielzahl gescheiterter Versuche, Frankreichs gesellschaftliche Schieflage zu korrigieren. Eine Schieflage, die eng mit dem Thema Arbeit verknüpft ist. Und der unflexible Arbeitsmarkt ist nach Jahrzehnten der Reformprojekte bald die letzte Bastion, an der noch nicht grundlegend herumgewerkelt wurde. Und Sarkozy will damit in die Geschichte eingehen.
Gelingt es Sarkozy, durch eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes die Arbeitslosigkeit massiv zu senken – und so die Ausgrenzung aufzuheben, die damit einhergeht – wird das auch die Linke begrüssen. Reduzierte Arbeitsplatzsicherheit hin oder her. Gelingt es nicht, hat sie ein formidables Wahlkampfthema. Eine Win-Win-Situation. Und dann wird den Menschen auch wieder mehr nach einer Präsidentin von warmherziger Freundlichkeit zumute sein.



