23. Februar 2007
Alles Provinz oder was?
Alle paar Jahre versucht die Schweiz, ihrem metropolitanen Minderwertigkeits-
komplex mit einer Provinzdebatte beizukommen. Heuer warf Stefan von Bergen den Zürchern den Fehdehandschuh hin und bezeichnete ihre Stadt im Magazin als „grösste Provinz der Schweiz“. Genüsslich nahm ihn Thomas Sevcik auf und erteilte dem Berner Provokateur eine vielleicht etwas zu ernst geratene Lektion. Wahrscheinlich deshalb, weil beim Provinzialismusvorwurf einfach der Spass aufhört. Da fliehen Jahr für Jahr hunderte junger Eidgenossen aus ihren Dörfern und freuen sich über ein neues Dasein in der „einzigen Stadt der Schweiz“, wollen abfeiern wie Carry und Co., urban und trendy sein, und glauben fest, damit ein für allemal der Provinzialismuskeule entkommen zu sein; und da kommt dieser Feuilletonist und rüttelt am Selbstverständnis der Alt- und Neuzürcher – wenn auch mit Ironie.
Nun ist ja Provinzialität – und ihr Gegenteil, die Weltläufigkeit – vor allem eine Geisteshaltung. Zieht ein Provinzler in die Grossstadt, bleibt er trotzdem Provinzler. Da helfen auch die schicksten Treter nichts. Umgekehrt werden Menschen nicht zu weltabgewandten Ignoranten, nur weil sie die Stadt verlassen. Denn die Provinzialität eines Ortes korreliert nur sehr bedingt mit der seiner Bewohner.
Wenn nun der Vorwurf der Provinzialität vehemente Ablehnung und bierernste Repliken auslöst, dann mag das daran liegen, dass der Affront aus der Hauptstadt kommt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Zürcher Grossstadtdschungel vor allem ein gefühlter ist. Die Stadt und ihre Strahlkraft ist zu gross, um nicht Tausenden die Illusion zu geben, mit dieser Adresse seien sie jenseits der Provinz angekommen. Der Wohnort als Katharsis, sozusagen. Und doch ist Zürich zu klein, als dass sich Debatten wie diese erübrigen würden. Das ist das Privileg der Megastädte, und dazu braucht es einfach mehr als 370000 Einwohner. Doch man ist und bleibt in Reichweite helvetischer Kleinräumigkeit. So sehr, dass selbst ein Unkenruf aus Bern nicht im Limmattal verhallt.
Blogs zum Thema:
http://blog.rebell.tv/provinz-schweiz.html
http://pieceoplastic.com/index.php/2782/zurich-provinznest-mit-profilierungsneurose/
komplex mit einer Provinzdebatte beizukommen. Heuer warf Stefan von Bergen den Zürchern den Fehdehandschuh hin und bezeichnete ihre Stadt im Magazin als „grösste Provinz der Schweiz“. Genüsslich nahm ihn Thomas Sevcik auf und erteilte dem Berner Provokateur eine vielleicht etwas zu ernst geratene Lektion. Wahrscheinlich deshalb, weil beim Provinzialismusvorwurf einfach der Spass aufhört. Da fliehen Jahr für Jahr hunderte junger Eidgenossen aus ihren Dörfern und freuen sich über ein neues Dasein in der „einzigen Stadt der Schweiz“, wollen abfeiern wie Carry und Co., urban und trendy sein, und glauben fest, damit ein für allemal der Provinzialismuskeule entkommen zu sein; und da kommt dieser Feuilletonist und rüttelt am Selbstverständnis der Alt- und Neuzürcher – wenn auch mit Ironie.
Nun ist ja Provinzialität – und ihr Gegenteil, die Weltläufigkeit – vor allem eine Geisteshaltung. Zieht ein Provinzler in die Grossstadt, bleibt er trotzdem Provinzler. Da helfen auch die schicksten Treter nichts. Umgekehrt werden Menschen nicht zu weltabgewandten Ignoranten, nur weil sie die Stadt verlassen. Denn die Provinzialität eines Ortes korreliert nur sehr bedingt mit der seiner Bewohner.
Wenn nun der Vorwurf der Provinzialität vehemente Ablehnung und bierernste Repliken auslöst, dann mag das daran liegen, dass der Affront aus der Hauptstadt kommt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Zürcher Grossstadtdschungel vor allem ein gefühlter ist. Die Stadt und ihre Strahlkraft ist zu gross, um nicht Tausenden die Illusion zu geben, mit dieser Adresse seien sie jenseits der Provinz angekommen. Der Wohnort als Katharsis, sozusagen. Und doch ist Zürich zu klein, als dass sich Debatten wie diese erübrigen würden. Das ist das Privileg der Megastädte, und dazu braucht es einfach mehr als 370000 Einwohner. Doch man ist und bleibt in Reichweite helvetischer Kleinräumigkeit. So sehr, dass selbst ein Unkenruf aus Bern nicht im Limmattal verhallt.
Blogs zum Thema:
http://blog.rebell.tv/provinz-schweiz.html
http://pieceoplastic.com/index.php/2782/zurich-provinznest-mit-profilierungsneurose/



