24. November 2006
À propos Werteverfall
Gleich zwei Meldungen erinnerten diese Woche daran, dass mit unserer Gesellschaft noch längst nicht aller Tage Abend ist, wie ein Blick in die Leserbriefspalten suggeriert. Die Glückskette hat knapp zwei Jahre nach der Flutwelle in Südostasien einen Grossteil der 228 gespendeten Millionen in zukunftsweisende Projekte investiert. Noch nie wurde so viel gespendet wie in jenen Tagen der apokalyptischen Bilder, und nirgends kam mehr Geld pro Kopf zusammen als in der Schweiz. Es war ein Kraftakt menschlicher Grösse, ein lautes Indiz für die zweite zuversichtliche Nachricht dieser Woche.
Die Uni Zürich hat die ersten Resultate der Competence and Context Studie (COCON) veröffentlicht, die den Schweizer Nachwuchs als „sehr einfühlsam, verantwortungsbewusst und anstrengungsbereit“ einschätzt. Die repräsentative Studie untersuchte die Befindlichkeiten von 3000 Heranwachsenden im Alter von 6, 15 und 21 Jahren, und offenbart das, was sich Kulturpessimisten nie eingestehen wollen: Der Anspruch der überwiegenden Mehrheit der Eltern, ihre Kinder zu lebensbejahenden Individuen zu erziehen, bewirkt eine Generation von – sagen wir mal – verhältnismässig angenehmen Zeitgenossen. Oder anders gesagt: Wenn es denn einen Weg gibt, das Risiko eines zivilisatorischen Bruchs wie jenen im „dritten Reich“ zu verringern, dann sind wir sicher nicht auf dem falschen.
Natürlich ist die Decke der Zivilisation eine dünne, und Gruppendruck wird auch in Zukunft bewirken, dass ein kürzeres Streichholz im Vergleich mit längeren nicht als kürzer bezeichnet wird, wie viele Experimente zum Konformitätsverhalten zeigten. Doch vielleicht ist die Empörung, die sich angesichts der jüngsten Episoden menschlicher Verkommenheit entladen hat, gerade ein Indiz für jene Kultiviertheit, welche die COCON-Studie nahe legt. Wir sind uns nicht mehr gewohnt, bei Scheusslichkeiten wegzuschauen.
Schaut man sich die Alltagsgewalt in Ländern wie Kolumbien oder Südafrika an, erscheint diejenige hierzulande in einem anderen Licht. Sie ist schon beinahe zahm. Deshalb kann man sich’s auch leisten, sich darüber aufzuhalten, und den vermeintlichen Werteverfall zu bemühen. Er ist jedoch nur eine Werteverschiebung, hin zur Thematisierung, was früher unter den Teppich gekehrt wurde.
Die Uni Zürich hat die ersten Resultate der Competence and Context Studie (COCON) veröffentlicht, die den Schweizer Nachwuchs als „sehr einfühlsam, verantwortungsbewusst und anstrengungsbereit“ einschätzt. Die repräsentative Studie untersuchte die Befindlichkeiten von 3000 Heranwachsenden im Alter von 6, 15 und 21 Jahren, und offenbart das, was sich Kulturpessimisten nie eingestehen wollen: Der Anspruch der überwiegenden Mehrheit der Eltern, ihre Kinder zu lebensbejahenden Individuen zu erziehen, bewirkt eine Generation von – sagen wir mal – verhältnismässig angenehmen Zeitgenossen. Oder anders gesagt: Wenn es denn einen Weg gibt, das Risiko eines zivilisatorischen Bruchs wie jenen im „dritten Reich“ zu verringern, dann sind wir sicher nicht auf dem falschen.
Natürlich ist die Decke der Zivilisation eine dünne, und Gruppendruck wird auch in Zukunft bewirken, dass ein kürzeres Streichholz im Vergleich mit längeren nicht als kürzer bezeichnet wird, wie viele Experimente zum Konformitätsverhalten zeigten. Doch vielleicht ist die Empörung, die sich angesichts der jüngsten Episoden menschlicher Verkommenheit entladen hat, gerade ein Indiz für jene Kultiviertheit, welche die COCON-Studie nahe legt. Wir sind uns nicht mehr gewohnt, bei Scheusslichkeiten wegzuschauen.
Schaut man sich die Alltagsgewalt in Ländern wie Kolumbien oder Südafrika an, erscheint diejenige hierzulande in einem anderen Licht. Sie ist schon beinahe zahm. Deshalb kann man sich’s auch leisten, sich darüber aufzuhalten, und den vermeintlichen Werteverfall zu bemühen. Er ist jedoch nur eine Werteverschiebung, hin zur Thematisierung, was früher unter den Teppich gekehrt wurde.



