27. Oktober 2006
Gerd und die darbenden Medien
Noch einmal steht er ganz im Rampenlicht, Gerhard Schröder, die alte Saftwurzel. Ein Jahr nach seinem unrühmlichen Abgang, geprägt durch das unverschämte Auftrumpfen am Wahlabend und der unappetitlichen Postenrafferei, prangt sein Konterfei in allen Zeitungen anlässlich seiner Autobiografie. Mag sein, dass der Rummel auch deshalb so gross ist, weil die deutsche Politik seit seinem Abgang ziemlich an Glamour verloren hat. In Zeiten der grossen Merkelschen Nüchternheit wird Gerhards Buchvernissage zur Charisma-Tankstelle für die Medien, zur Oase auf dem Weg durch die graue Politwüste.
Hierzulande wurde er ja immer etwas zwiespältig wahrgenommen, dieser Sozi mit der geradezu unbehaglichen Eloquenz, diesem gefährlichen Charmeur aus dem fernen Norden, der so gar nichts gemeinsam hatte mit den ungeliebten, aber vertrauteren Schwaben und Bayern. Ein unbescheidener Preusse, ganz und gar unschweizerisch.
Sein unverkrampfter Umgang mit den „Bossen“ irritierte all jene, welche die deutsche Sozialdemokratie mit einer antikapitalistischen Klassenkämpferin verwechselten – zur Rechten wie zur Linken. Was den einen der Pragmatiker, ist den andern der Opportunist. Als Beweis für letzteres sahen viele seine Thematisierung des drohenden Irakkrieges im Wahlkampf 2002. Dass er mit der Einschätzung dieses verhängnisvollen „Abenteuers“ recht behalten sollte, kann dem Misstrauen, das gegen all seine Motive gehegt wurde, nichts anhaben. Wer so virtuos auf der Klaviatur der Politkommunikation spielt, ist vielen nicht geheuer.
Andere waren dankbar für eine Gestalt, die nicht wie ein Hanswurst vor die Kameras tritt, als wäre Coolness prinzipiell unvereinbar mit Politik. Eine Figur, die den bierernsten Kommentar zu den alltäglichen Missständen öfter mal durch einen ironischen ersetzte. Selbstverliebtheit hin oder her. Immerhin war er der Kanzler, der glaubhaft Currywurst und Brioni-Anzug miteinander vereinbaren konnte.
Überhaupt war er ein Kanzler, der die Popkultur nicht scheute. Das zeigte er einmal mehr diese Woche. Und bestimmt nicht zum letzten Mal: Wer sich das Buch nicht antun möchte, wird die Memoiren wohl bald auf der Leinwand sehen können. Starring Götz George. Und sollte darin gar auf Sinatras „I did it my way“ verzichtet werden, dann wird wohl selbst Edmund Stoiber den Gerd in versöhnlicher Erinnerung behalten.
Hierzulande wurde er ja immer etwas zwiespältig wahrgenommen, dieser Sozi mit der geradezu unbehaglichen Eloquenz, diesem gefährlichen Charmeur aus dem fernen Norden, der so gar nichts gemeinsam hatte mit den ungeliebten, aber vertrauteren Schwaben und Bayern. Ein unbescheidener Preusse, ganz und gar unschweizerisch.
Sein unverkrampfter Umgang mit den „Bossen“ irritierte all jene, welche die deutsche Sozialdemokratie mit einer antikapitalistischen Klassenkämpferin verwechselten – zur Rechten wie zur Linken. Was den einen der Pragmatiker, ist den andern der Opportunist. Als Beweis für letzteres sahen viele seine Thematisierung des drohenden Irakkrieges im Wahlkampf 2002. Dass er mit der Einschätzung dieses verhängnisvollen „Abenteuers“ recht behalten sollte, kann dem Misstrauen, das gegen all seine Motive gehegt wurde, nichts anhaben. Wer so virtuos auf der Klaviatur der Politkommunikation spielt, ist vielen nicht geheuer.
Andere waren dankbar für eine Gestalt, die nicht wie ein Hanswurst vor die Kameras tritt, als wäre Coolness prinzipiell unvereinbar mit Politik. Eine Figur, die den bierernsten Kommentar zu den alltäglichen Missständen öfter mal durch einen ironischen ersetzte. Selbstverliebtheit hin oder her. Immerhin war er der Kanzler, der glaubhaft Currywurst und Brioni-Anzug miteinander vereinbaren konnte.
Überhaupt war er ein Kanzler, der die Popkultur nicht scheute. Das zeigte er einmal mehr diese Woche. Und bestimmt nicht zum letzten Mal: Wer sich das Buch nicht antun möchte, wird die Memoiren wohl bald auf der Leinwand sehen können. Starring Götz George. Und sollte darin gar auf Sinatras „I did it my way“ verzichtet werden, dann wird wohl selbst Edmund Stoiber den Gerd in versöhnlicher Erinnerung behalten.



