Ostmilliarde und Pokerspiele
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Der Bundeshaushalt der nächsten fünf Jahre beläuft sich auf plus minus 300'000 Millionen Franken. Dieser Kuchen wird verteilt auf die sieben Departemente. Kein leichtes Unterfangen, schliesslich leben wir in Zeiten knapper Mittel. Da wird bestimmt geschachert und umgeschichtet noch und noch. Doch die Gegner des „Bundesgesetzes über die Zusammenarbeit mit den Staaten Osteuropas“ haben sich ausgerechnet dieses Promille herausgepickt, um damit das Volk an die Urne zu bemühen. Rein „innen- und finanzpolitisch“ motiviert. Wirklich?
Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich der Bundesrat den Abschluss der Bilateralen II mit der Zusage einer „freiwilligen Kohäsionszahlung“ gesichert hat. Um den Abstimmungskampf über die Verträge nicht zusätzlich zu erschweren, entkoppelte man den Solidaritätsbeitrag und wollte ihn nicht an die grosse Glocke hängen. Das rächt sich jetzt: Gewisse Kreise haben zähneknirschend den Pragmatismus der Schweizer EU-politik hinnehmen müssen – Salamitaktik, wie sie’s wohl ausdrücken würden – und harrten der Achillesferse, an der sie die bundesrätliche Verhandlungsstrategie packen konnten.
Sie kam in Gestalt der Ostmilliarde. Eine „Classe Politique“, die klammheimlich Volksvermögen ins Ausland verteilt, das war ganz nach dem Gusto der Europhobiker. Den Teufel würden sie tun, diese Chance nicht mit Genuss auszukosten. Ob die Milliarde nun steuerneutral aufgebracht wurde oder zulasten bestehender Entwicklungshilfebudgets ging – nichts würde sie davon abhalten, den Bundesrat in dieser Sache vorzuführen.
Dass nur 600 Millionen zu Lasten des Volkswirtschafts- und Aussendepartements gehen und der Rest sonstwie verteilt wird, gibt den Gegnern das hübsche „innen- und finanzpolitische“ Alibi. So kriegen sie ihr Pokerspiel gar ohne xenophobe Kleckereien. Und der Pragmatismus des Schweizer Stimmvolks wird’s schon richten, im November. Denn ein Nein wäre dann doch ein zu grosser Preis.



