Hanspeter Born hat sich wieder mal richtig Luft gemacht, in der letzten
Weltwoche. Man spürt geradezu seine Verbitterung über den Antiamerikanismus,
zu dem er alle Regungen zählt, die nicht gerade als von affirmativer
Dankbarkeit getragene Sympathiebekundungen daherkommen. Wie tief seine
Verbitterung ist, lässt sich bei der Lektüre des letzten Abschnitts erahnen.
Darin legt er sinngemäss nahe, dass uns dereinst beim Ende der
westeuropäischen Friedensepoche schon bewusst würde, was wir am
amerikanischen Schutzschild des 20. Jahrhunderts gehabt haben. Allein dieser
Gedanke macht den Text zum unfreiwilligen Klassiker zum Thema „"Europa und
das Trauma des Kalten Krieges"“.

Reden wir von Amerika, so reden wir immer auch von der Projektionsfläche,
die wir uns von diesem dominanten Epizentrum der westlichen Welt kreieren.
Auf diese Fläche wird alles mögliche projiziert, je nach Sozialisation und
Habitus. Zum Beispiel die Sehnsucht nach einem besseren Ort auf dieser Welt,
der leuchtenden Stadt auf dem Berg. Dieses romantische Bild einer besseren
Nation wurde durch den Kalten Krieg begünstigt und von manchen Menschen
verinnerlicht, von anderen nicht. Für Erstere bekam das Wort Amerika eine
positive Konnotation, die sich auf alles US-amerikanische übertrug. Bei
Letzteren erweckte die schiere Dominanz der USA Misstrauen und Antipathie.
Unterschwellig prägte diese Prädisposition jede Unterhaltung über die
Chiffre Amerika; sie tut es noch, wenn auch geringer, je weiter der Kalte
Krieg zurück liegt.

Der Gedanke, dass nur das Ende der Friedenszeit die Menschen von
antiamerikanischen Flausen befreien wird, entspringt entweder einer
autoritären Mentalität, oder er ist die Folge eines verletzten
Gerechtigkeitssinns, der unter der verkannten Gutherzigkeit der USA
besonders leidet. Das Leiden wurzelt im Unvermögen, dem gegenwärtigen
Antiamerikanismus eine Ursache zuzugestehen. Es zeugt von einem Amerikabild,
das jeder Kritik abhold ist - sei sie kultureller oder politischer Natur,
sachlich oder polemisch.

Es handelt sich hier wohl um einen besonders ausgeprägten Fall
proamerikanischer Prägung. Das mag nun etwas zu psychologisierend
erscheinen, doch nur so ist zu erklären, dass manch ausgeschlafener
Journalist dieser US-Regierung weiterhin nur hehres Tun zugesteht - wider
aller Erfahrung. Oder dass in einem Artikel über Antiamerikanismus die halbe
europäische intellektuelle Elite abgewatscht wird, nur weil sie Dinge
benennt, über die man nicht schweigen darf.