Osamas Saat
Bin Laden hat ganze Arbeit geleistet: die gegenseitige Wahrnehmung von
Orient und Okzident ist mittlerweile arg von Missverständnissen geprägt. Das
verrät die Studie des Pew Research Centers, das in 13 Ländern Christen und
Muslime zu interkulturellen Themen befragen liess. Sie wurde zwischen März
und Mai erhoben und reflektiert damit auch die emotionale Unrast, die der
Karrikaturenstreit auslöste. Die Ansichten von Muslimen in westlichen
Staaten erweisen sich dabei als besonders aufschlussreich. Dem täglichen
Reality-check ausgesetzt, eignen sie sich weniger als Freiwild für
Verschwörungstheoretiker und Demagogen.
Während sich die beiden Religionsgemeinschaften in ihren Stammlanden darin
einig sind, dass die jeweils andere zu wenig Respekt für Frauen aufbringt,
sehen Muslime in westlichen Staaten Frauen respektvoll behandelt. Auch teilt nur eine Minderheit die Ansicht ihrer Glaubensbrüder in muslimischen Staaten, Westler seien selbstsüchtig, arrogant und gewalttätig.
Einig sind sich jedoch viele Muslime im Glauben, die Anschläge am 11.
September 2001 seien nicht von Arabern ausgeführt worden. Und es gibt auch
wenig Hoffnung, dass sie davon abrücken werden: Nicht mal Osama Bin Laden
hat das geschafft, obwohl er wiederholt dafür Schuld sein wollte. Niemand
glaubt ihm, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf. Egal wie viele
Videotapes er noch an Al-Dschasira sendet: sie müssen vom CIA manipuliert
worden sein.
Damit funktioniert diese absurde Episode über die Ablehnung des Evidenten
auch als Metapher für das derzeitige Drama der Völkermissverständigung: Die
Menschen glauben, was sie glauben wollen. Und sie suchen sich die nötigen
Indizien dazu. 83 % der Spanier glauben, diese für einen muslimischen Hang
zum Fanatismus gefunden zu haben.
Pew Global Attitudes Project:
The Great Divide: How Westerners and Muslims View Each Other



