Bushs letzte Hoffnung
Wer hätte gedacht, dass man den Karren so gegen die Wand fahren kann wie
George W. Bush. Als er vor gut achtzehn Monaten im Amt bestätigt wurde - und
mit ihm der Anachronismus der parlamentarischen Mehrheit der
Präsidentenpartei in beiden Kammern - dachte man: Jetzt wird er
durchmarschieren, denn mehr Macht war nie.
Doch es sollte anders kommen. Das Projekt der Teilprivatisierung der
Altersvorsorge wurde zur konservativen Revanche im Wettstreit um die
grössten Rohrkrepierer, zur republikanischen Antwort auf Hillarys
Schiffbruch mit der Gesundheitsreform 1994. Die vermeintliche
Einparteienherrschaft zerbröselte darob in Splittergruppen, deren Credo zu
lauten schien: Was kümmern uns die Demokraten, wir sind uns Opposition
genug. Unterstützt wird die Zwietracht durch die Ungereimtheiten und
Affären, die als schwere Hypothek der ersten vier Jahre ihren Tribut
fordern.
Der Kulturtheoretiker Greil Marcus sagte in einem Interview im Februar 2003,
dass die Präsidentschaft von George W. Bush von Anfang an auf eine Amtszeit
ausgerichtet gewesen sei, da eine Wiederwahl bei seinen Strategen als wenig
wahrscheinlich galt. In Anbetracht des präsidialen Scherbenhaufens bekommt
dieser Hintergrund eine unfreiwillige Pointe. Hätte John Kerry die Wahl
gewonnen, wäre er es, der sich jetzt mit Irak und Budget herumschlagen
müsste, und Bushs Mauschelein würden im Schatten der Aktualität verblassen.
George W. Bush wird wohl als der Präsident in die Geschichte eingehen, dem
nur die ärgsten Feinde die zweite Amtszeit wirklich gegönnt haben.
Doch wer weiss: Vielleicht ereilt ihn einmal mehr die Gnade höherer Gewalt.
Nicht nur die Mid-Term-Wahlen sind nah, auch der Sommer, und mit ihm die
Chance, die eine Verwandte von Katrina mit sich bringen könnte. Herzhaftes
Zupacken in Zeiten des Ausnahmezustandes kann Wunder bewirken. Das weiss er
ja nur zu gut.



