"Wir Liberalen"
reagiert damit auf den drohenden Verlust ihres Quasi-Monopols auf den
Begriff des Liberalen, das ihr von rechts und links streitig gemacht wird.
Natürlich geschieht dies auch deshalb, weil "liberal" in unseren Breiten
nach wie vor positive Assoziationen weckt. Der eigentliche Grund dafür liegt
jedoch darin, dass sich der Liberalismus ideengeschichtlich in vielerlei
Richtungen bewegt hat.
Einige davon drehen sich um die Freiheit des Menschen als wirtschaflich
handelndes Subjekt und den Rahmen, in dem er sich bewegen kann. Je grösser
dieser Rahmen, umso grösser die Freiheit. Die potentiellen Probleme
regulieren sich dabei von alleine - ausser sie sind durch den Rahmen selbst
verursacht.
Andere Richtungen entwickelten sich um die Freiheit des Individuums vor dem
Hintergrund der Zumutungen des menschlichen Daseins. Die entsprechenden
Schwerpunkte liegen bei Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten
und Fairness. Sie zeichnen sich aus durch einen weltlichen Idealismus.
Dass sich diese beiden Zweige schwer vereinbaren lassen, dafür bietet keine
Partei besseren Anschauungsunterricht als die FDP. Beruft sie sich auf
Letzteren und will die Gesellschaft gestalten - mit Kinderkrippen,
Bildungsprogrammen und Internationaler Zusammenarbeit - kommt der Einspruch
des Ersten, weil es Geld kostet und Regulierung benötigt. Baut sie hingegen
Regeln und Steuern ab, demontiert sie mitunter jene Errungenschaften, die
aus gesellschaftsliberaler Sicht begrüsst werden.
Und so fährt die FDP mit angezogener Handbremse durch den Politalltag, stets
bemüht, die divergierenden Interessen durch ein moderates Programm zusammen
zu halten, das sowohl diejenige Wählerschaft bedient, welche politische
Gestaltungsfähigkeit des Staates als zivilisatorische Errungenschaft
betrachtet, als auch jene, welche die individuelle Freiheit von ebendieser
Errungenschaft bedroht sieht.
Wir Liberalen. In gewisser Hinsicht hätte die FDP kein passenderes Label
finden können: Der Name ist Programm, denn in ihm liegt bereits die
Erklärung für mögliche Richtungswechsel. Wer die Vielfalt an Liberalismen
unter ein Dach zwängen kann, der soll sie auch propagieren dürfen.
Zum Thema: Die Krux der FDP: http://www.weltanschauung.ch/FDP.htm



